Einführung
Wer mit einer Systemkamera Projektionsmikrofotografie betreiben möchte, stößt schnell auf das Problem mit der mechanische Verbindung der Kamera mit dem Mikroskop. Gängige kommerzielle Mikroskopadapter sind für den Anschluss einer Systemkamera an ein Mikroskop mit endlich Optik völlig ungeeignet. Diese Adapter berücksichtigen nicht die notwendige Korrektur des Objektivbildes. Zudem lässt sich der korrekte Abstand zwischen Projektiv bzw. Okular und Kamerasensor meist nicht einstellen. Der von mir bereits mehrfach erwähnte IHAGEE-Adapter ist nur noch gebraucht erhältlich, und es kann schwierig sein, ein vollständiges Exemplar zu finden.
Ich habe einen Adapter gefunden, der dem IHAGEE ähnelt und online neu bestellt werden kann. Es handelt sich um einen Teleskopadapter von Bresser mit folgenden Spezifikationen: 1.25"/2"+T2-Gewinde. Der Innendurchmesser ist für ein standard Mikroskoptubus mit 25 mm Durchmesser zu groß, aber auch dafür gibt es eine Lösung: ein Stück Schlauch mit den passenden Innen- und Außendurchmessern. Der Teleskopadapter hat einen Innendurchmesser von 32 mm. Pappe, Klebeband oder ein Stück Gummischlauch können verwendet werden, um den Spalt zwischen Adapter und Mikroskoptubus zu füllen. Der Adapter kann dann mithilfe des inneren Klemmrings am Tubus befestigt werden. Eine Systemkamera kann dann direkt über einen T2-Ring und optional einen Zwischenring angeschlossen werden. Mit diesem Adapter kann auch der Abstand zwischen Projektiv und Kamerasensor variiert werden, sodass die Parfokalität angepasst werden kann. Bei korrekter Durchführung ist eine sehr stabile Kamera-Mikroskop-Kopplung möglich.
Links: Bresser Teleskopadapter. Rechts: ein Stück Schlauch mit einem Innendurchmesser von ca. 25 mm und einem Außendurchmesser von 31 mm. Der Außendurchmesser des Rohrstücks muss so bemessen sein, dass der Adapter auch vor dem Festziehen des Klemmrings einigermaßen sicher sitzt. Der Adapter muss sich jedoch ohne großen Kraftaufwand über dem Mikroskop-Tubus schieben lassen.
Anschluss der Canon 600D an ein Olympus E Mikroskop. Bild 1: Olympus E Trinokular mit standard 25 mm Fototubus. Bild 2: Ein Gummischlauch wird um den Fototubus gelegt. Wichtig ist, dass der Adapter vollständig über dem Gummischlauch geschoben wird; nur so ist die Verbindung stabil. Bild 3: Teleskopadapter wird angebracht. Bild 4: Anschluss der Canon 600D mit einem T2-Ring und einem Zwischenring. Alternativ kann auch ein T2-Ring mit höherem Profil verwendet werden, sodass kein Zwischenring benötigt wird. Ein etwas höherer T2-Ring oder Zwischenring macht es einfacher der Abstand zwischen Projektiv und Kamera zu optimieren.
Wer sich ein Mikroskop zulegen und ernsthaft fotografieren möchte, sollte ein Mikroskop mit einem standard Tubus von 25 mm (Außendurchmesser) wählen. Bei Mikroskopen mit einem solchen Tubus ist der Anschluss einer Systemkamera in der Regel deutlich einfacher als bei einem speziellen Fototubus. Das Olympus BH2 beispielsweise besitzt einen nicht standardmäßigen Fototubus, an den eine Kamera nur mit speziellem Zubehör angeschlossen werden kann; die hier beschriebene Methode funktioniert damit nicht. Egal wie gut dieses Mikroskop ist, ohne die passenden Teile ist der Kameraanschluss äußerst umständlich. Zudem ist die Fotoeinrichtung des BH2 ausschließlich für Olympus NFK Projektive ausgelegt. Auch die neueren trinokularen Zeiss-Tuben (z. B. 47 30 28) scheiden für mich aus, da sie nicht flexibel genug sind, um mit verschiedenen Projektive zu experimentieren und zu fotografieren. Bei diesen Tuben ist nicht genügend Platz, um den Abstand zwischen Projektiv und Kamera zu optimieren.
Für den folgenden Aufbau verwendete ich ein Hufeisenstativ, ein Olympus GB. Dieses Mikroskop verfügt über einen ausziehbaren Tubus womit die mechanische Tubuslänge angepasst werden kann. Für visuelle Beobachtung und Fotografie sollte der Tubus auf 160 mm eingestellt werden. Ein Ring umschließt den Tubus und kann bequem in Kombination mit dem Teleskopadapter verwendet werden. Der Adapter mit der Kamera kann ohne das erwähnte Rohrstück auf diesem Ring platziert werden; der Ring fixiert die gesamte Konstruktion. Man achte darauf, dass der ausziehbare Tubus nicht durchhängt; falls er sich sehr leicht bewegen lässt, fixiert man ihn gegebenenfalls mit Klebeband. Diese Kameraanordnung ist sehr flexibel, da die Kamera jederzeit für visuelle Beobachtung oder zum Wechseln von Okularen/Projektive problemlos abgenommen werden kann. Die Kamera sitzt locker auf dem Ring, aber dennoch recht stabil. Mit dem Selbstauslöser lassen sich problemlos gute Fotos aufnehmen. Wer eine sicherere Verbindung wünscht, kann zusätzlich ein Rohrstück um den Tubus anbringen.
Fotografisches Setup mit der Olympus GB. A: Olympus GB mit ausgezogenem Tubus. B: Tubus auf 160 mm eingestellt und der Ring (R), auf dem der Adapter aufliegt. C: Canon 600D über einen T2-Ring und einen Zwischenring mit dem Teleskopadapter verbunden. Der Zwischenring ist optional und hängt unter anderem vom Kameramodell ab: Ohne ihn trat bei der Canon 600D eine starke Vignettierung auf; mit einem kleineren Sensor ist die Vignettierung geringer oder gar nicht vorhanden. Der Spiegel wurde durch eine batteriebetriebene, diffuse LED-Lampe ersetzt, die eine gute Ausleuchtung gewährleistet.
Ein histologisches Präparat (caecum, Ratte), fotografiert mit dem oben beschriebenen Aufbau. Objektiv: Olympus F40/0.65.
Fazit
Mit einem aktuell erhältlichen Teleskopadapter ist es möglich auf einfache und stabile Weise eine Systemkamera an ein Mikroskop mit 25 mm Tubusdurchmesser anzuschließen.