Mikrofotografie

Seit der Entwicklung von Digitalkameras ist die Mikrofotografie viel einfacher geworden. Man kann jetzt unbegrenzt Fotos aufnehmen und das Ergebnis sofort anzeigen. Das gibt viel mehr Möglichkeiten hinsichtlich der Optimierung der Aufnahmen. Eine gute Aufnahme beginnt mit einer guten Beleuchtung und das kann man nicht oft genug sagen. Die Tatsache, dass eine einfache Kompaktkamera oder eine teure Systemkamera verwendet wird, ist weniger relevant. Es ist auch nicht erforderlich, das Mikroskop mit Objektiven auszustatten, die den höchsten Korrekturgrad aufweisen, wie z. B. (Plan-) Apochromaten. Eine gute Beleuchtung ist mehr als alles andere für ein gutes Mikroskopbild verantwortlich. Dies wird auch im Artikel 'Was man sehen kann mit einem einfachen Mikroskop' erläutert.

Mikrofotografie ist etwas ganz anderes als Makrofotografie. Mit der Mikrofotografie gehen wir einen großen Schritt weiter und um gute mikroskopische Bilder zu erstellen, sind Kenntnisse der Mikroskopie erforderlich. Das Mikroskop ist das wichtigste Werkzeug, nicht die Kamera. Bei der Mikrofotografie geht es nicht nur darum, schöne Fotos zu machen, sondern auch um den Inhalt und das Sammeln von Wissen und Informationen. Ein weniger schönes Foto muss daher nicht weniger wertvoll sein. Hier werden einige Möglichkeiten zum Fotografieren durch ein Mikroskop beschrieben und was dafür erforderlich ist.

Smartphone und Tablet

Viele Kameras sind heutzutage für die Mikrofotografie geeignet. Beginnen wir mit der Kamera, die fast jeder ständig in der Tasche hat: dem Smartphone. Die Qualität von Smartphone-Kameras hat sich in den letzten Jahren stark verbessert, so dass sie einer Kompaktkamera kaum unterlegen sind und mit ihnen sehr schöne Mikrofotos gemacht werden können. Selbst mit einigen Tablets können vernünftige Mikroskopfotos gemacht werden; Ich werde später einige Beispiele dafür zeigen. Smartphone und Tablet haben eine kleine Linse und das ist ein Vorteil bei der Wahl des Okulars, durch das man fotografieren möchte. Mit einem so kleiner Linse kann man der Frontlinse eines Okulars sehr nahe kommen. Viele Huygens-Okulare haben eine niedrige Austrittspupille, so dass es mit einer DSLR-Kamera fast unmöglich ist, auf das runde Sehfeld scharf zu stellen. Und selbst mit einigen Kompaktkameras wird es schwierig. Wenn man mit solchen Kameras fotografieren möchtet, benötigt man vorzugsweise ein Weitwinkelokular ('widefield', WF) mit einer hohen Austrittspupille. Mit einem Smartphone kann mit allen Okularen auf der Rand des runden Sehfelds scharf gestellt werden.

Der einfachste Weg, mit einem Smartphone durch ein Mikroskop zu fotografieren, besteht darin, die Smartphone-Kamera über das Okular zu halten, bis das mikroskopische Sehfeld als ein scharf umrissenen Kreis erscheint. Dies erfordert zunächst einige Übung, insbesondere um das Telefon stabil zu halten. Der Trick besteht darin, den Mittelfinger der linken Hand (am nächsten an der Smartphonelinse) gegen den Mikroskoptubus zu halten, um Unterstützung zu bieten. Das Fotografieren durch einem Huygens-Okular ist einfacher, da man näher an die Frontlinse herankommen kann. Bei Weitwinkelokularen muss man das Smartphone einige Zentimeter vom Objektiv entfernt halten, damit es schwieriger ist, es mit einer Hand zu stützen. Es gibt Smartphone-Adapter zum Verkauf, die an den Mikroskoptubus befestigt werden und in denen man das Telefon festklemmen kann. Auf diese Weise ist es möglich, alles live auf dem Bildschirm des Telefons zu sehen. Da ein Smartphone über einen kleinen Sensor verfügt, hat das Foto im Vergleich zu einer Systemkamera zumindest keine sehr große Auflösung. Die Bildqualität kann weiter verbessert werden, indem ein Okular mit höherer Vergrößerung verwendet wird, beispielsweise ein 15-faches Okular anstelle des üblichen 10-fachen Okulars. Die Idee dahinter ist, dass der Sensor einen kleineren Teil des Bildes aufzeichnet, so dass die gesamte Sensoroberfläche zum Aufzeichnen von Informationen aus diesem Teil verwendet wird. So werden Details besser sichtbar. Man kann Fotos, die auf diese Weise aufgenommen wurden, auch etwas mehr nachvergrößern, bevor sie 'körnig' werden. Es ist gut zu erkennen, dass mit zunehmender Objektivvergrößerung weniger Pixel benötigt werden. Ein mit einem 40/0.65 Objektiv aufgenommenes Bild enthält weniger Informationen als ein Bild das mit ein 10/0.25 Objektiv aufgenommen wurde. Somit erzielen Objektive mit höherer Vergrößerung die besten Ergebnisse. Es ist auch möglich, recht gute Fotos mit einem Tablet aufzunehmen, obwohl dies etwas unpraktischer ist.

Im Folgenden sind einige Bilder zu sehen, die ich mit einem Smartphone, dem Samsung Galaxy A8 (SM-A530F, 16 MP), dem Samsung Galaxy A3 (SM-A300FU, 8 MP) und einem Tablet (Huawei Mediapad T3, 5 MP) aufgenommen habe.

Augenflagellaten mit roter Augenfleck (Euglena) und blaualgen (Anabaena) fotografiert mit den Samsung Galaxy A8. Objektiv: Carl Zeiss Neofluar 40/0.75 und Kpl12.5x W Okular.

Zellen von Wasserpest (Elodea) mit zahlreichen Chloroplasten. Foto mit dem Samsung Galaxy A3 aufgenommen. Zeiss-Winkel Achromat 40/0.65 und Olympus P15x Okular.

Bild von filamentösen Algen (Spirogyra und Mougeotia), aufgenommen mit dem Samsung Galaxy A3. Zeiss Neofluar 63/1.25 Objektiv mit Zeiss Kpl12.5x Okular. Digitalzoom: 2x.

Mit der Huawei Tablet fotografierte histologische Präparaten von Menschen (links) und Pflanzen (rechts). Zeiss-Winkel 100/1.3 (links) und Zeiss-Winkel 40/0.65 (rechts).

Okular Kamera

Okularkameras sind bequem zu verwenden, da sie den gleichen Durchmesser wie ein Okular haben. Man kann sie einfach in den Tubus des Mikroskops schieben. Oft haben Okularkameras keine optischen Elemente und ist nur ein Sensor vorhanden. Dies bedeutet, dass das vom Objektiv erzeugte Bild direkt auf den Sensor projiziert wird. Dies kann ein Problem sein wenn man Objektive mit einer endlichen mechanischen Tubuslänge (meistens 160 oder 170 mm) verwendet. Das Bild der meisten diesen 'endlich' Objektiven enthält noch Restfehler, die normalerweise vom Okular kompensiert werden. Da die Okularkamera das Okular ersetzt und keine Kompensation stattfindet, kann es zu Restfehlern im Bild kommen. Dies macht sich insbesondere bei besser korrigierten Objektiven und Achromaten mit höherer Vergrößerung bemerkbar. Bei Achromaten mit geringer Vergrößerung treten nur sehr wenige Restfehler im Bild auf, da diese Objektive normalerweise kaum eine Kompensation durch ein Okular erfordern. Bei besser korrigierten Objektiven und Achromaten mit hoher Vergrößerung zeigt das Bild nur in der Mitte wenige chromatische Fehler. Es können jedoch gute Bilder von kleinen Objekten in der Mitte des Sehfeldes gemacht werden. Die folgenden Bilder wurden mit einer BRESSER MikrOkular Full HD-Okularkamera aufgenommen, einer preiswerten Kamera mit einem kleinen Sensor. Trotz des niedrigen Preises ist diese Kamera im Allgemeinen recht brauchbar. Ein Nachteil ist, dass nur ein sehr kleiner Teil des mikroskopischen Bildes aufgenommen wird und die Nachvergrößerung hoch ist. Diese hohe Vergrößerung hat aber auch einen Vorteil: Die Informationen aus einem kleinen Teil des mikroskopischen Bildes werden über die gesamte Sensoroberfläche verteilt.

Gefärbter Schnitt eines Stiels, fotografiert mit dem BRESSER MikrOkular Full HD Okular-Kamera. Diese Kamera hat keine interne Optik. Objektiv: Zeiss-Winkel 10/0.25.

Mit einer Okularkamera ohne interne Optik werden bessere Ergebnisse mit Objektiven erzielt, die eine unendliche mechanische Tubuslänge haben, da das Bild dort bereits vollständig korrigiert ist und keine Kompensation eines Okulars erforderlich ist. Das folgende Bild wurde mit einem Zeiss Axiostar (einem Mikroskop mit 'unendlich' Optik) und den Okularkamera wurde im Binotubus eingesetzt.

Mooszellen, fotografiert mit der BRESSER MikrOkular Full HD Okular-Kamera am Zeiss Axiostar. Objektiv: CP-Achromat 40/0.65.

Kompaktkamera

Mit einer Kompaktkamera können sehr gute Mikroskopfotos gemacht werden. Am nützlichsten sind die Kameras mit internem Zoom, damit sich das Objektiv nicht herausbewegt. Diese Kameras können nahe oder sogar gegen das Okular gehalten werden. Ich selbst habe lange Zeit einen Olympus Stylus 725 SW verwendet. Am Anfang habe ich diese Kamera auf ein Stativ vor dem Okular gestellt und das hat gut funktioniert. Bei Okularen mit geringer Austrittspupille kann eine solche Kamera gegen das Okular gehalten werden, was ebenfalls Unterstützung bietet.

Epidermis von Calathea rufibarba fotografiert mit einer Olympus Stylus 725 SW Kamera. Objektiv: Leitz 100/1.25

Systemkamera

Wenn man das mikroskopische Bild noch besser aufnehmen möchtet, ist eine Systemkamera die bessere Wahl. Hervorragende Mikrofotos können sowohl mit Micro 4/3 Kameras als auch mit DSLR Crop-Sensor Kameras aufgenommen werden. Eine Vollformatkamera ist für die Mikrofotografie eigentlich nicht erforderlich, vorausgesetzt, man möchtet hochwertige Filme machen. Bei der Auswahl einer spiegellosen- oder DSLR Kamera für die Mikrofotografie spielt ein wichtiger Aspekt eine Rolle: Vibrationen. Kameras mit mechanischem Verschlussmechanismus können dazu führen, dass Vibrationen das Bild verwischen. Noch mehr als bei der normalen Fotografie haben Vibrationen in der Mikrofotografie einen großen Einfluss, da man mit so hohen Vergrößerungen arbeitet. Ich selbst arbeite sowohl mit einem Olympus PEN E-PL1 als auch mit einer Canon EOS 600D, beides etwas ältere Modelle, die immer noch gut für die Mikrofotografie geeignet sind. Der Olympus PEN verursacht erhebliche Vibrationen bei kurzen Belichtungszeiten. Diese Kamera verfügt nicht über einen elektronischen Verschluss. Mit zunehmender Belichtungszeit (2 Sekunden oder mehr) wird der Einfluss des Verschlussmechanismus merklich geringer. Wenn ich diese Kamera benutze, fotografiere ich nur statische Objekte, da ich eine Belichtungszeit von 2.5 Sekunden verwende. Die Canon 600D verfügt über einen elektronischen Verschluss und es treten keine Vibrationen auf, bevor der Spiegel heruntergeklappt wird. Die Aufnahme erfolgt in LiveView. Der Spiegel wird zuerst hochgeklappt ('mirror lock-up'), das Foto wird aufgenommen und erst dann wird der Spiegel heruntergeklappt. Um manuelle Vibrationen zu vermeiden, verwende ich bei den beide Kameras der Selbstauslöser, eingestellt auf 2 Sekunden zwischen dem Drücken der Taste und dem Aufnehmen des Fotos. Canon verfügt über eine Reihe von DSLR-Kameras, die sich sehr gut für die Mikrofotografie eignen. Dies umfasst unter anderem die 500D, 550D, 600D, 650D, 700D und 750D.

Nach Auswahl einer bestimmten Kamera wird die Kamera an das Mikroskop angeschlossen. Mikrofotografie mit einer Systemkamera kann mit oder ohne Kameraobjektiv betrieben werden. Die Einrichtung ohne Kameraobjektiv ist etwas einfacher, stellt jedoch etwas höhere Anforderungen an das Okular, mit dem das Bild auf den Sensor projiziert wird. Für den Olympus PEN habe ich lange Zeit ein Sigma 30 mm Objektiv verwendet und das funktioniert gut. Dieses Objektiv hat den Vorteil, dass beim Fokussieren keine externen beweglichen Teile vorhanden sind, alles geschieht in das Gehäuse des Objektivs. Dies ermöglicht es, das man die Linse auf etwas setzen kann. Das folgende Bild zeigt ein Setup mit dem Sigma Objektiv, das ich häufig mit Hufeisenstative verwende. Mit einem Ihagee Klemmadapter und einem Gummiring entsteht eine Art Plateau, auf dem die Kamera aufgestellt werden kann. Aufgrund des Gewichts des Kamera-Objektivs bleibt die Kamera unberührt. Es ist eine praktische Lösung für ein Hufeisentativ. Nachdem ein Foto gemacht ist, wird die Kamera weggenommen und kann man weiter machen mit die Visuelle Beobachtung. Ein zweiter Vorteil der Sigma-Linse ist die nach vorne liegende Eintrittspupille. Dies bedeutet, dass jedes Mikroskopokular verwendet werden kann, einschließlich der Huygens-Okulare mit tief liegende Austrittspupille.

Olympus PEN E-PL1 mit Sigma 30 mm Objektiv auf einem Olympus Hufeisenstativ.

Es spricht für sich, dass aufgrund der höheren Auflösung mit einer Systemkamera Fotos in besserer Qualität aufgenommen werden können. Dies wird jedoch erst deutlich, wenn das Foto vergrößert wird. Die folgenden Bilder zeigen einen Vergleich zwischen dem Olympus PEN und dem Huawei-Tablet mit einem Präparat von Cymbella.

Vergleich zwischen dem Olympus PEN (oben) und dem Huawei Tablet (unten) mit einem Präparat von Cymbella. Objektiv: Leitz Achromat 40/0.65 und Leitz Periplan GF 10x Okular.

Ausschnitten des vorherige Bildes. Olympus PEN (links) und Huawei Tablet (rechts). Objektiv: Leitz 40/0.65.

Fotografie ohne Kameraobjektiv

Um ohne Kameraobjektiv fotografieren zu können, ist ein Projektionsokular (projektiv) oder ein spezielles Fotookular erforderlich, mit dem das Bild auf den Sensor projiziert wird. Dies gilt für Objektive mit endlicher mechanischer Tubuslänge. Gute Projektive sind jedoch schwierig zu bekommen und manchmal recht teuer. Ein normales Okular kann auch als Projektiv dienen, wenn es einige mm in der Fototubus angehoben wird. Die Verwendung eines normalen Beobachtungsokulars als Projektiv führt zu unterschiedlichen Ergebnissen für die verschiedenen Hersteller, von gut bis schlecht. Für die Projektion mit ein Okular kann man am besten ein kompensierend Okular verwenden, auch für die schwachere Achromaten. Durch anheben ein normales Okular wird die mechanische Tubuslänge geändert, was zu Aberrationen führen kann. Dies ist jedoch keineswegs immer der Fall. Meine Erfahrung ist, dass Bilder, die ohne Kameraobjektiv aufgenommen wurden, manchmal etwas kontrastreicher sind. Das ist auch ziemlich logisch, da sich weniger Glas im optischen Strahlengang befindet, was zu weniger Lichtreflexionen führt. Ich mag dieses einfachere Setup auch viel mehr. Einige Erfahrungen mit Okularen, die recht gut als Projektionsokulare verwendet werden können, werden hier beschrieben.

Bei der Optimierung eines Kamera-Setups ist es wichtig, einen Adapter zu verwenden, mit dem der Abstand zwischen Okular und Kamerasensor variiert werden kann. Das Ziel ist, das Bild, das die Kamera sieht, so gut wie möglich gleichzeitig mit dem visuellen Bild scharf zu stellen: Das Setup ist dann parfokal. Auf dem Gebrauchtmarkt findet man regelmäßig der Exakta Ihagee Mikroskopadapter. Dies ist ein sehr gutes Teil, eine Kamera an ein Mikroskop anzuschließen. Dieser Adapter ist sehr gut ausgeführt und wurde in Dresden hergestellt. Eine absolut spielfreie und robuste Montage ist damit möglich.

Um zu testen, ob eine Kamera-Adaption taugt, verwende ich ein Objektmikrometer und verschiedene 'echte' Präparate. Wenn die optische Anpassung nicht korrekt ist, werden optischen Fehler sichtbar. Zusätzlich zum Objektmikrometer verwende ich oft ein Präparat mit Pollen. Die chromatische Aberration führt zu gefärbten Ränder um die Pollenkörner und die sind in einem solchen Präparat schnell erkennbar. Auch ein Frischpräparat kann verwendet werden wie z.B. ein Moos oder die Epidermis der Dracaena marginata. Letzteres eignet sich gut für solche Tests, da die chromatische Aberration um die feinen rautenförmigen Kristalle schnell sichtbar wird.

Die folgenden Bilder zeigen die vollständigen Bilder, die vom Sensor der Canon 600D aufgenommen wurden.

Zeiss-Winkel

Zeiss-Winkel hatte spezielle Fotookulare, von denen ich selbst eines habe: ein ‘Photo 12x’. Die Ergebnisse hiermit sind ziemlich gut, aber nur ein kleiner Teil des Mikroskopfeldes wird damit fotografiert. Mit die älteren Olympus WF10x-Okulare, die für die Olympus 37 mm Objektive verwendet wurde, habe ich bessere Ergebnisse. Ich habe bereits an anderer Stelle beschrieben, dass die Olympus-Okulare und Zeiss-Winkel Objektive gut zusammen passen. Dies ist auch der Fall, wenn ein WF10x als Projektionsokular verwendet wird. Tests mit einem Objektmikrometer und einem Zeiss-Winkel 40/0.65 Objektiv zeigen eine geringe chromatische Aberration an den Rändern, sowohl wenn das Okular einige mm angehoben wird als auch in der normalen Position. In beiden Fällen ist das auf der Kamera angezeigte Bild und das visuelle Bild nahezu parfokal und ist nur eine geringe Nachfokussierung nötig.

Ein Moos fotografiert mit einem Zeis-Winkel 40/0.65 Objektiv. Das Bild wurde mit einem Olympus WF10x Okular auf dem Sensor des  Canon 600D projiziert. Mikroskop: Zeiss-Winkel Standard GF.

Carl Zeiss Oberkochen

Es wurden auch spezielle Fotookulare von Zeiss Oberkochen hergestellt, die mit ‘Fk’ bezeichnet sind. Ich besitze selbst ein Fk10x-Okular. Dafür gilt dasselben, was ich für das Zeiss-Winkel Fotookular beschrieben habe: Die Ergebnisse sind angemessen, aber nur ein kleiner Teil des Sehfelds wird fotografiert. Die Verwendung eines normalen Carl Zeiss Beobachtungsokulars als Projektiv liefert meiner Meinung nach mit den Objektive von Zeiss Oberkochen variable Ergebnisse. Bei Verwendung eines Kpl10xW Okulars tritt beispielsweise an den Rändern des Bildes eine starke chromatische Aberration auf. Bessere Ergebnisse hatte ich mit ein KplW12.5x Okular. Ich besitze ein Nikon HWK10x Okular, das mit Okularprojektion und Zeiss-Objektiven ziemlich gute Ergebnisse liefert. Aber nach einigen Experimenten habe ich ein modifiziertes Kpl10x-Okular erhalten und bin damit sehr zufrieden. Wie dieses Okular aufgebaut ist wird hier beschrieben: 'Mikrofotografie mit 'Hybrid'-Okulare'.

Adaption der Canon 600D am Zeiss Standard. Okular-Projektion mit ein modifiziertes Zeiss Kpl10x Okular.

Wasser aus einem Graben, in dem hauptsächlich Ruhephasen von Euglena zu sehen sind. Foto aufgenommen mit einem Carl Zeiss Apochromat 40/1.0 und schiefe Beleuchtung. Das Bild wurde mit ein modifiziertes Zeiss Kpl10x Okular ohne Kameraoptik auf den Sensor der Canon 600D projiziert.

Leitz

Es gab spezielle Projektive von Leitz, aber ich habe sie nie so geeignet gefunden für die digitale Fotografie. Deshalb habe ich auch ein Leitz okular angepasst, damit es als Projektionsokular dienen kann. Dafür habe ich ein modifiziertes Leitz Periplan GF10x Okular verwendet das hier beschrieben wird: 'Mikrofotografie mit 'Hybrid'-Okulare'.

Anpassung der Canon 600D an dem Leitz Dialux II ohne Kameraobjektiv. Ein modifiziertes Periplan GF 10x fungiert als Projektionsokular.

Epidermis von Dracaena marginata fotografiert mit der Canon 600D und einem Leitz Planapo 25/0.65. Unscharfe Bereiche entstehen nur durch die Dicke des Präparates und daher können nicht alle Details gleichzeitig scharfgestellt werden. Bei diesen Arten kleiner Kristalle wird jede chromatische Aberration schnell sichtbar.

Objektmikrometer fotografiert mit ein Leitz NPL Fluotar 25/0.55 Objektiv am Leitz Laborlux-12. Okularprojektion mit das modifizierte GF10x Okular.

Adaption der Olympus PEN E-PL1 Kamera am Leitz Laborlux-12. Rechts: Arachnoidiscus fotografiert mit Leitz NPL Fluotar 25/0.55.

Pollenkörner aus verschiedenen Pflanzen, fotografiert mit ein Leitz NPL Fluotar 25/0.55. Mikroskop: Leitz Laborlux-12.

Mikroskopkamera

Aufgrund der Geschwindigkeit und des Komforts arbeiten die Labors hauptsächlich mit spezielle C-Mount Mikroskopkameras, um alle Bilder aufzunehmen. Sie sind teure Kameras, liefern jedoch keine besseren Bilder als eine ältere gebrauchte Systemkamera. Die Qualität von Fotos, die mit einer spiegellosen Kamera aufgenommen wurden, wird normalerweise höher sein.

Mikroskopobjektive, Okulare und Kondensor

Der Einfluss von die Art der Objektive und Kondensor auf die fotografische Qualität wird häufig überschätzt. Die Qualität des Präparates und der Beleuchtung hat viel mehr Einfluss auf das Bild. Darüber hinaus hängt es von der Art des Präparates ab, welches Objektiv sinnvoll eingesetzt werden kann. Ein größerer Arbeitsabstand und Schärfetiefe ist oft wichtiger als eine höhere Apertur.

Objektive mit oder ohne Plankorrektur?

Plan-Objektive korrigieren die Bildfeldwölbung und sorgen dafür, dass das Bild bis zum Rand scharf ist. Diese Objektive werden vorzugsweise bei sehr dünnen und flache Präparaten verwendet, beispielsweise bei dünnen histologische Präparaten oder Blutausstrichen. Es macht wenig Sinn, ein dickeres Präparat das nicht flach ist zu betrachten mit einem Plan-Objektiv. Bei solche Präparate gibt es aufgrund von Dickenunterschieden scharfe und unscharfe Bereiche, so dass einige Teile des Präparates bis zum Rand scharf sind und andere Teile nicht. Plan-Objektive haben beispielsweise auch einen geringen Mehrwert für die Beobachtung und Fotografie von Organismen in Tümpel Proben. Darüber hinaus sind Plan-Objektive erheblich teurer als Objektive ohne Plan-Korrektur. Es sind zusätzliche Linsen erforderlich, um die Bildfeldwölbung bis zum Rand zu korrigieren. Aber die Bildqualität in der Bildmitte (wo normalerweise das Objekt liegt das beobachtet und fotografiert werden soll) kann mit Plan-Objektive niemals besser sein als mit normalen Objektiven. Bei älteren Plan-Objektive mit einer nicht so guten Vergütung kann der Einfluss dieses zusätzlichen Glases spürbar sein. Das Bild hat dann weniger Kontrast, da die zusätzlichen Linsen mehr Reflexionen und damit Streulicht erzeugen.

Ich benutze selbst nicht oft Objektive mit Plan-Korrektur. Ich mag die Idee nicht wirklich, dass diese Objektive so viel zusätzliches Glas enthalten, und das nur, um einige Randunschärfen zu korrigieren. Außerdem denke ich immer: Was beobachtet und fotografiert wird, liegt in der Mitte des Sehfeldes und nicht am Rand. Außerdem sehe ich keine Notwendigkeit, so viel wie möglich des Sehfeldes zu fotografieren.

Achromate, Fluorit-Objektive oder Apochromate?

Die Idee, dass man für die Mikrofotografie teure Objektive oder Objektive mit besserer Korrektur als Achromate benötigt, ist ein Mythos. Im Prinzip braucht man nicht mehr als gute Achromaten. Damit können hervorragende Fotos aufgenommen werden. Siehe auch 'Rehabilitation für den Achromaten'. Wer mit gewöhnlichen Achromaten keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielen kann, macht etwas falsch. Es gibt immer einen Kompromiss zwischen Schärfentiefe und Auflösungsvermögen und es ist wichtig zu überlegen, welches Objektiv für ein bestimmtes Präparat nützlich ist. Ein Apochromat mit eine hohe Auflösung stellt auch hohe Anforderungen an die Qualität des Präparates. Je höher der Apertur, desto kleiner der Schärfentiefe und es ist möglich, dass das Bild eines Apochromatens äußerst enttäuschend ist, wenn die Qualität des Präparates zu wünschen übrig lässt. Und wie bereitz gesagt, manche Planapochromaten können so viele Linsen haben, dass dies zu Lasten des Kontrasts geht, insbesondere bei älteren Optiken.

Wenn man besser korrigierte Linsen verwenden möchtet, sind meiner Meinung nach die Fluorit-Objektive (wie z.B. die Zeiss Neofluaren und Leitz Fluotaren) eine gute Wahl. Sie liefern kontrastreichere Bilder als Apochromaten und zeigen weniger chromatische Aberration als Achromaten.

Meiner Meinung nach werden Fluorit-Objektive und Apochromate niemals ein vollständiger Ersatz für Achromaten sein, hauptsächlich wegen der unterschiedlichen Schärfentiefe.

Die Okularen

Okulare gibt es in vielen Arten. Für die Fotografie ist es wichtig, einen Unterschied zu machen zwischen kompensierenden Okularen und Okularen, die nicht oder kaum kompensieren. Am besten verwendet man kompensierende Okularen für alle Planachromaten, (Plan-) Fluorit und (Plan-) Apochromate. Dies gilt auch für einfache Achromaten mit einer Vergrößerung von 20x oder mehr. Bei Achromaten mit geringerer Vergrößerung (10x und kleiner) ist es jedoch (mit einigen Ausnahmen) am besten, ein Okular zu verwenden, das nicht oder kaum kompensiert. Kompensierende Okulare sind häufig mit einem 'C', 'K', 'P' oder anderen Buchstabenkombinationen gekennzeichnet, die das Wort 'Foto/Photo' oder 'Kompensation/compensation' angeben. Es ist aber auch möglich, dass diese Angaben nicht darauf stehen. Beispielsweise steht auf die WF10x Okulare für die Olympus 37 mm Objektive nur "WF". Aber diese Okulare kompensieren tatsächlich. Im Zweifelsfall ist es ratsam, die optischen Spezifikationen des Herstellers nachzuschlagen. Und es ist wichtig, das Bild kritisch zu betrachten: Wie sieht das Mikroskopbild am Rand aus? Bei einer Fehlkombination zwischen Objektiv und Okular treten im Randbereich des Sehfelds chromatische Aberrationen und Verzerrung auf. In der Regel ist es ratsam, Objektive in Kombination mit Okularen desselben Herstellers zu verwenden. Es gibt aber auch genug Kombinationen unterschiedlichen Hersteller die ein gutes Bild liefern. Die Kompensation bleibt jedoch das wichtigste. Ein 40/0.65 Objektiv liefert mit einem kompensierenden Okular eines anderen Herstellers meistens ein besseres Bild als mit einem nicht kompensierenden Okular desselben Herstellers. Siehe auch: 'Die richtige Objektiv-Okular Kombination'.

Der Kondensor

Manchmal wird geschrieben, dass für die Farbfotografie am Mikroskop ein achromatischer Kondensor erforderlich ist. Vielleicht stimmte dies im vordigitalen Zeitalter, aber heutzutage ist der Einfluss von Software zur (Farb-) Verbesserung des Bildes um ein Vielfaches größer als die achromatische Korrektur eines Kondensors. Die meisten Mikroskope sind standardmäßig mit einem Abbe Kondensor mit zwei Linsen ausgestattet, der keine Korrektur aufweist. Dieser Kondensor ist jedoch für fast alle Zwecke mehr als ausreichend. Der Einfluss eines achromatischen und möglicherweise aplanatisch korrigierten Kondensors auf das Bild wird überschätzt, zumal ein Kondensor nicht zur Bildbildung beiträgt. Hochkorrigierte Kondensoren sind teuer und tragen in den meisten Fällen wenig zur Bildverbesserung bei. Diese Arten von Kondensoren sind nur in der sehr kritischen und hochauflösenden Mikroskopie nützlich, bei der das maximale Auflösungsvermögen erreicht werden muss.

Bildbearbeitung

Mit software zur Verbesserung des Bildes können Strukturen und Details in Mikroskopfotos noch deutlicher hervorgehoben werden. Besonders die Kontrastverbesserung macht viel. Ich selbst benutze dafür das RawTherapee Programm. Ich bin ziemlich vorsichtig mit der Bildbearbeitung, insbesondere Weißabgleich, Kontrast und Belichtung werden in Maßen angepasst. Ich glaube, ein Foto sollte von Anfang an ziemlich gut aussehen, ohne es zu bearbeiten. Es ist in Ordnung, sichtbare störende kleine Flecken im Bild zu entfernen, die durch Staubpartikel auf einem Objektiv oder dem Kamerasensor verursacht wurden. Persönlich bin ich nicht dafür, bestimmte Details in einem Foto zu löschen, nur um das betreffende Thema schöner aussehen zu lassen. Wenn zum Beispiel Algen aus dem Graben fotografiert werden und von Bakterien umgeben sind, gehören diese Bakterien einfach dorthin. Dies sind die Algen in ihrem natürlichen Lebensraum, die sie mit anderen Organismen teilen. Es sind genau die gegenseitigen Größenverhältnisse verschiedener Organismen im selben Bild, die diesem Bild viel mehr Bedeutung verleihen.