Entdeckungsreise durch die Mundhöhle

Wangenschleimhautzellen

Das Innere der Mundhöhle ist mit einer Schicht Plattenepithelzellen ausgekleidet. Dies sind relativ große, flache Zellen, die ständig von der Wangenschleimhaut produziert und abgestoßen werden. Es ist ziemlich einfach, diese Zellen mikroskopisch zu betrachten. Um Material zu erhalten, wird mit einem Zahnstocher entlang der Innenseite der Wange gestrichen. Das Material wird dann in einem kleinen Wassertropfen auf einem Objektträger suspendiert. Dies wird schließlich mit einem Deckglas abgedeckt. Ein ungeschultes Auge hat Schwierigkeiten, die Epithelzellen zu sehen. Sie sind völlig farblos und transparent. Das Herunterdrehen der Aperturblende kann die Beobachtung erleichtern, da sie den Kontrast erhöht. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass nicht zu viel Auflösungsvermögen verloren geht. Mit einem 10x Objektiv sind die Zellen bereits einigermaßen sichtbar. Um mehr Details zu sehen, benötigt man ein Objektiv 25, 40 oder mehr. Bei normaler Hellfeldbeleuchtung sehen wir große Zellen mit einem deutlich sichtbaren Kern in der Mitte der Zelle und regelmäßig kleinere sogenannte Mikrokerne. Die Zellen enthalten körniges Material bestehend aus Keratohyalin.

Abb.1. Wangenschleimhautepithelzellen, fotografiert mit normaler Hellfeldbeleuchtung. Auch ohne kontrastverstärkende Methoden sind viele Details zu sehen, einschließlich des Kerns in der Mitte der Zelle.

Um die Details in Wangenepithelzellen noch besser sichtbar zu machen, können spezielle Beleuchtungstechniken wie Phasenkontrast, Dunkelfeld und ringförmige oder schiefe Beleuchtung verwendet werden. Diese Methoden werden auch im Technikabschnitt erläutert. Eine andere Möglichkeit, transparente Objekte besser sichtbar zu machen, ist die Verwendung eines Farbstoffs, bei dem die Zellen beispielsweise mit Methylenblau gefärbt sind. Ich hatte einmal Methylenblau im Haus, aber es war von kurzer Dauer. Wenn man versehentlich etwas verschüttet, hat man Flecken, die sehr schwierig zu entfernen sind. Im Allgemeinen erhöhe ich den Kontrast sehr viel lieber mit optischen Mitteln.

Abb.2. Wangenepithelzellen mit ringförmiger Beleuchtung sichtbar gemacht. Diese Technik erhöht den Kontrast und vermittelt einen räumlichen Eindruck des Objekts.

Mit fast jedem Mikroskop ist es möglich, eine Dunkelfeldbeleuchtung zu realisieren, und diese Technik eignet sich hervorragend, um farblose transparente Objekte sichtbar zu machen. Bei Dunkelfeldbeleuchtung wird durch die konische Beleuchtung das Objekt in einem Winkel angestrahlt und dann wird das Licht vom Objekt reflektiert. Das Ergebnis ist ein schwarzer Hintergrund mit leuchtenden Zellen.

Abb.3. Dunkelfeldbeleuchtung, womit Kerne und die kleineren Mikrokerne sehr gut sichtbar gemacht werden. In diesem Bild kann man deutlich sehen, wie die Zellen in ihrer ursprünglichen Gewebebeziehung liegen.

Und dann gibt es noch die Phasenkontrasttechnik, eine Technik, die für diese Art von Präparaten am besten geeignet ist, da alle Details sehr gut dargestellt werden.

Abb.4. Wangenepithelzellen im Phasenkontrast gesehen.

Manchmal sieht man viele Bakterien auf einer Epithelzelle. Das nächste Bild gibt einen guten Eindruck von den Größenverhältnissen zwischen Epithelzellen und Bakterien.

Abb.5. Bakterien auf einer Wangenepithelzelle, fotografiert mit schiefe Beleuchtung (links) und ringförmige Beleuchtung (rechts).

Speichel

Wenn man Speichel durch ein Mikroskop betrachtet, wird man feststellen, dass ziemlich viel darin lebt; insbesondere Bakterien. Sie wurden bereits im 17. Jahrhundert von Antoni van Leeuwenhoek beobachtet, der ein sehr einfaches Mikroskop verwendete, das nur eine einzige Linse enthielt mit dem eine Vergrößerung von 250x erreicht werden konnte. Die Mundflora besteht größtenteils aus Streptokokken, kleinen kugelförmigen Bakterien, die in Ketten angeordnet sind. Diese sind mit einem Mikroskop schwieriger zu erkennen, weil sie so klein sind und sich kaum von allerlei kleinen Verunreinigungen im Speichel unterscheiden. Die größeren stäbchenförmigen Bazillen und beweglichen Bakterien, einschließlich einiger spiralförmiger Spirillen, sind deutlicher sichtbar.

Um Bakterien im Speichel zu erkennen, benötigt man ein geschultes Auge. Eine Technik wie Dunkelfeld oder Phasenkontrast kann verwendet werden, um die Sichtbarkeit von Bakterien in das Präparat zu erhöhen. Mit Phasenkontrast sind Bakterien als schwarze Formen sichtbar, wie im folgenden Bild gezeigt.

Abb.6. Bakterien im Speichel. Links im Vordergrund ist ein großes filamentöses Bakterium zu sehen. Rechts ist eine Spirille zu sehen. Im Hintergrund sind viele kleine bewegliche Bakterien zu sehen. Phasenkontrastaufnahme.

Neben Bakterien und Epithelzellen können sich auch Leukozyten im Speichel befinden. Bei entzündlichen Prozessen nimmt die Anzahl der Leukozyten im Speichel wahrscheinlich zu. Man kann oft tote Leukozyten sehen, in denen sich kleine Körner bewegen. Dieser Prozess ist jedoch passiv und wird der sogenannten Brownschen Bewegung zugeschrieben.

Abb.7. Eine Leukozyt mit Brownscher Bewegung des Zellinhalts. Phasenkontrastaufnahme.

Technik

Abb.1: Carl Zeiss Neofluar 63/1.25. Abb.2: Leitz Pl Apo 25/0.65. Abb.3: Leitz 25/0.50. Abb.4 und 7: Carl Zeiss Neofluar 40/0.75 Ph2. Abb.5: Leitz NPL Fluotar 40/0.70. Abb.6: Leitz Phaco 40/0.65.